Kino - Über Bäume reden
Apropos Bäume Direktor Suhaib Gas Melbari

Wenn der Kinobesuch zum politischen Akt wird


Sudan: Welche Rolle kann das Kino beim Aufbau der Demokratie spielen?

Zajc ist Medienautor, Forscher und Filmkritiker. Sie lebt und arbeitet in Slowenien, Italien und Afrika.
Email: melita.zajc@gmail.com
Veröffentlicht am: 2019
Apropos Bäume
Regisør: Suhaib Gasmelbari
(Frankreich, Deutschland, Tschad, Katar und Sudan)

Apropos Bäume porträtiert vierjährige Filmemacher und ihren Kampf, dem sudanesischen Kino Leben einzuhauchen. Gleichzeitig wirft es eine interessante Frage auf: Wie wichtig sind Film und Kino für die Demokratie?

Walter Benjamin hat das Kino von Anfang an für die demokratischste Kunstform gehalten. Im Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter der mechanischen Reproduktion (1935) argumentierte er, dass nur die gut ausgebildete Elite von traditioneller Kunst profitiere, Menschen aller Gesellschaftsschichten jedoch die Filme von Charlie Chaplin genießen können. Seine Gedanken gerieten jedoch schnell in Vergessenheit, zum einen, weil Filme als zu populistisch angesehen wurden, um demokratische Relevanz zu haben. Theodor W. Adorno erwähnte den Film sogar als Bedrohung für die Demokratie. Und heute ist der gute alte Zelluloidfilm ein Format für die Elite geworden.

Die vier Helden von Apropos Bäume kämpfen, um das traditionelle Kino im Sudan wiederzubeleben, aber dieser Kampf ist ebenso ein Kampf für die Demokratie. Während einer der öffentlichen Filmvorführungen, die sie in den Dörfern veranstalten, sehen wir, wie sich die Bewohner dieses Dorfes auf dem Platz vor der improvisierten Filmleinwand versammeln, während sie Schach von Charlie Chaplins spielen Moderne Zeiten (1936). Es hat fast hundert Jahre gedauert und fünf afrikanische Filmemacher benötigt, bis wir endlich den Beweis erhielten, dass Benjamin wahrscheinlich Recht hatte. Aber ist es wirklich wichtig?

Ein politisches Medium

Unterschiedliche Kulturen nutzen die Medien unterschiedlich. Die Hauptthese in Über Bäume reden, Von der sundanesischen Regisseurin Suhaib Gasmelbari ist dieser Film ein politisches Medium. Dies ist für ein europäisches Publikum neu, aber es sollte nicht überraschen, dass diese Ansicht von afrikanischer Seite vertreten wird, von einem Kontinent, auf dem der Zelluloidfilm von Anfang an politisch war. Die Ängste, Leiden und Sehnsüchte der städtischen Massen weltweit werden heute durch das Video zugänglich gemacht, das damit das wichtigste Medium im postkolonialen Afrika ist. Dies war jedoch nicht immer der Fall.

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Anfangs wurden diese Videofilme als "Quatsch" abgetan, weil sie dem Zelluloid-Film, der in Afrika einem politischen Engagement gleichkam, unterlegen zu sein schienen film den autor von Anfang an. Anders als im französischen oder europäischen Film d'auteur Politik und Gesellschaft waren in Afrika sehr wichtig. Und in den USA filmen d'auteur nicht einmal existierte, war ...


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