Von der Produktion bis zur Reproduktion


Interview mit dem Philosophen Paul Preciado: Im Old Days Workers 'Camp ging es um die Kollektivierung der Produktionsmittel; heute geht es um die kollektivierung von reproduktionsmitteln.

Daumas ist Schriftsteller in der französischen Befreiung.
Email: daumas@nytid.no
Veröffentlicht am: 2018

Der Weinstein-Fall und MeToo Welle habe die alten Verführungsbeziehungen gestürzt. Wollen wir jetzt ein verändertes Verhalten von Männern und Frauen in Sachen Liebesleben und Sexualität sehen? Oder verlieren wir sowohl das Verlangen als auch die Freiheit, wenn wir die Verführungscodes ständig neu formatieren müssen? Für den spanischen Philosophen Paul B. Preciado, einen regelmäßigen Kolumnisten in MODERN TIMES und in French Libération, gibt es keinen Zweifel: Was erleben wir im Gefolge von Ich auchkann mit den Paradigmenwechseln verglichen werden, die die Welt in der Vergangenheit durchgemacht hat, wie dem Übergang zur heliozentrischen Weltanschauung und der Abschaffung der Sklaverei.

Die Weinstein-Affäre löste eine große politische, sexuelle und institutionelle Krise aus, in der die Frage, wer das Petitionsrecht hat, im Mittelpunkt stand. Der unermüdliche Preciado ist als Chronist, Kurator der Documenta und der Biennale von Venedig sowie als bekannter Philosoph für Gender und Sexualität ein Einzelfall: eine lesbische Frau, die zum Transmann und damit zum "Runner" zwischen den Geschlechtern geworden ist. Ein seltener Mann, der sowohl das Weibliche als auch das Männliche in Kopf und Körper sowie alle Nuancen und Merkmale der beiden Positionen gekannt hat. Ein "Flüchtling der Sexualität" mit der beispiellosen intellektuellen Freiheit, die es bietet, gleichzeitig auf beiden Seiten der Geschlechterwand zu sein - und darüber hinaus.

- In diesem Herbst brach die Weinstein-Affäre los. Zum ersten Mal wurden Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, sexueller Übergriffe und Vergewaltigung öffentlich bekannt - gegen einen der mächtigsten Filmproduzenten der Welt. Der Fall löste eine heftige Reaktion aus, angeheizt von MeToo Kampagne. Die ganze Welt explodierte. Was ist passiert?

"#MeToo drückt eine Kritik der Männlichkeit mit ihrer Dominanz und Beziehung zur Macht innerhalb des heterosexuellen Regimes aus. Einige dachten, die sexuelle Revolution der 70er Jahre sei vorbei, aber sie geht weiter, schärfer denn je. Zu Recht kritisierte die feministische Bewegung in den 70er Jahren die männliche Macht, und im Fernsehen konnte man französische Feministinnen sehen, die ihre BHs verbrannten - als erste Dramatisierung einer globalen Anklage, die in Ländern von den USA bis Chile multimedial wiederholt wurde.

Das Männliche ist für die Gesellschaft, was der Staat für die Nation ist: derjenige, der Gewalt legitim verwaltet und anwendet.

Die Kritik an den sozialen Geschlechterrollen kommt aber seit den 80er Jahren vor allem von…

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