Mit einem Knall oder mit einem Wimmern?


Der wettbewerbsorientierte Hedonismus ist auf dem besten Weg zur Zerstörung, denkt Wolfgang Streeck an den Kapitalismus.

Literaturkritiker in MODERN TIMES.
Email: henning.ness@icloud.com
Veröffentlicht am: 2017

Wolfgang Streeck:
Wie wird der Kapitalismus enden? Aufsätze zu einem fehlerhaften System
Verso Bücher, 2016

Wolfgang Streeck ist ein deutscher Wirtschaftssoziologe, dem in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In seinem neuesten Buch Wie wird der Kapitalismus enden?sagt er das bevorstehende Schicksal des Kapitalismus voraus. Der Autor stimmt nicht zu, dass "das Leben grundsätzlich unfair ist"; es ist Leben im Kapitalismus Das ist grundsätzlich unfair. Streecks Kritik am Kapitalismus ist zuweilen sowohl präzise als auch gut formuliert, wenn auch nicht besonders originell. Er verwendet den Begriff "wettbewerbsbasierter Hedonismus", um den Zustand der postkapitalistischen Gesellschaft darzustellen. Er glaubt, dass diese Gesellschaft Hoffnung, Träume und Freude mit einem wettbewerbsorientierten Ansatz für das Leben verbindet. Streeck ist am schwächsten, wenn er am direktesten ist: "Bevor der Kapitalismus zur Hölle wird, wird er auf absehbare Zeit in der Schwebe hängen, tot oder kurz davor, an einer Überdosis von sich selbst zu sterben, aber immer noch sehr viel in der Nähe, da niemand das haben wird Macht, seinen verfallenen Körper aus dem Weg zu räumen. “

Inkompatible Größen. Streecks Hauptpunkt ist, dass der Kapitalismus nicht mit der Demokratie in Einklang gebracht werden kann. In dem Artikel "Die Demokraten des demokratischen Kapitalismus", der in der letzten Ausgabe von Agora veröffentlicht wurde, schreibt der Autor: "Der Zusammenbruch des US-Finanzsystems im Jahr 2008 hat sich seitdem zu einer wirtschaftlichen und politischen Krise von globaler Dimension entwickelt." "Die große Rezession von 2008", wie er es nennt, ist viel mehr als ein einmaliges Ereignis, sondern Ausdruck einer "zugrunde liegenden Spannung in der politisch-wirtschaftlichen Struktur fortgeschrittener kapitalistischer Gesellschaften". Streecks Verständnis der Geschichte ist, dass Demokratie und Kapitalismus von zwei grundlegend unterschiedlichen Prinzipien bestimmt werden. Einerseits glaubt man an das freie Spiel der Marktmacht und andererseits an die ineffektiven Versuche, den Kapitalismus zu zähmen. Der Autor kommt zu dem Schluss: "Im demokratischen Kapitalismus sind die Regierungen theoretisch verpflichtet, beide Prinzipien gleichzeitig zu berücksichtigen, obwohl sie in Wirklichkeit nicht miteinander vereinbar sind."

Die moderne kapitalistische Gesellschaft ist eine neofeudale Es hat nie eine Kluft zwischen der mittelalterlichen feudalen Gesellschaft und dem modernen Kapitalismus gegeben.

Neo-Feudalismus. Jürgen Habermas entstammt im Körper von Wolfgang Streeck ebenfalls der marxistischen Tradition. Warum stimmen sie dann nicht überein,…


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