Frauen für Lust - und genau das


Warum gibt es so wenige männliche Solstad-Leser, die die vielen eindimensionalen weiblichen Figuren des Autors kritisiert haben?

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Veröffentlicht am: 2006

Tonje Tornes

Autor

tonje@rosa.net

[solstad] "Aber es hat mich nicht sonderlich gestört, dass sie keinen Sinn für Humor hatte. Ich habe nie verlangt, dass Frauen Sinn für Humor haben. Um ehrlich zu sein, ist es nicht zu viel verlangt, dass zusätzlich zu seinen exquisiten Formen auch kleine Hände, schmale Schultern, sinnliche Stimmen und Bewegungen (…) ein göttliches humorvolles Geschenk besitzen sollten? Ich für meinen Teil habe immer den Humor gesucht, wo immer er zu finden ist, in Gesellschaft von Männern. “

So denkt Gymnasiallehrer Knut Pedersen an Solstads bis jetzt profilierteste Frauenfigur: Nina Skåtøy. Warum denkt Pedersen so über sie? Warum war es für die Autorin Dag Solstad wichtig, Nina Skåtøys Sinnlosigkeit für Humor in den Roman zu schreiben? Schuhe werden als puritanisch, naiv und kompromisslos bezeichnet. Zusammen mit dem Mangel an Sinn für Humor wird sie nicht nur zu Solstads entschlossenster Frau, sondern sie wird auch beängstigend - fast verrückt. Gleichzeitig lässt das obige Zitat darauf schließen, dass Knut Pedersen von Skåtøys mangelndem Sinn für Humor überhaupt nicht überrascht ist. Er sieht es eher als selbstverständlich an, als ob das Lachen nichts ist, womit Frauen geboren werden.

Fehlende Reflexion. Ich habe viele Bücher von Solstad gelesen, und ich habe keinen Zweifel daran, dass dies starke Literatur ist. Stark, weil Solstad etwas über die existenzielle Sehnsucht sagt, er die scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens aufgreift - anscheinend, weil für diesen Leser gerade Bücher wie Solstads Sinn machen - und es schafft, eine andere norwegische Geschichte trocken und witzig zu zeichnen. Trotzdem irritiert es oft den sexuellen Blick, wenn ich Darstellungen von Solstads vielen Frauenfiguren lese. Ich verstehe nicht, warum ein so bewusster Schriftsteller ein wanderndes Frauenklischee nach dem anderen treibt, und dies ohne dass seine ansonsten reflektierenden und analytischen Protagonisten seine Ansichten und Wahrnehmungen dieser Frauen problematisieren. Die Ausnahme ist Irr! Grün! ab 1969, wo Rollen - auch Geschlechterrollen - immer wieder problematisiert werden. In der Literatur von Solstad aus den Achtzigern und Neunzigern ist das Problem der Geschlechterrolle jedoch verschwunden. Zurück steht ein

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dimensionale weibliche Charaktere, die ich als Leser nicht erkenne oder mit denen ich mich nicht identifiziere. Dabei erlebe ich bei Solstad eine Fremdartigkeit und damit auch eine Doppeldeutigkeit, die ich - nachdem ich mich selbst gehört habe - bei vielen männlichen Lesern nicht wahrnehme.

Schöne Frauen. Wenn Solstad eine…


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