"Werkzeug zum Überleben"

Jenseits des Kunstraums


Der Roman kann ein hilfreiches Werkzeug sein, wenn wir neue Sichtweisen auf Kunst erforschen.

Email: kjetilroed@gmail.com
Veröffentlicht am: 2018

Kunst zu sehen ist etwas Seltsames. Einer der Aspekte dieser Aktivität, die ich als Rezensent ständig ausstelle, ist brav: Wir schlendern durch die Galerie (oder das Museum), oft mit einer ernsthaften und nachdenklichen Mine, und betrachten die absurdesten Kombinationen von Formen, Ideen und Figuren . Und warten. Und nachdenklich. Warum machen wir das? Und warum genau so? Der Leser mag sich dafür entschuldigen, dass er solche - zumindest scheinbar - banalen Fragen gestellt hat, aber ich bin zunehmend davon überzeugt, dass je einfachere Fragen wir stellen, desto tiefer in den Kern der Sache, die wir benötigen.

Je einfacher die Fragen, die wir stellen, desto tiefer in den Kern, den wir möglicherweise benötigen.

Neben dem hingebungsvollen Umherwandern der Kunsträume umkreist der Ritualkreis Objekte - das heißt die Kunst - ohne unseren physischen Kontakt damit. Warum wir das tun, liegt natürlich daran, dass wir die Regeln der Kunst und das "Drehbuch" der Kunsttrommel befolgen, aber der Grund, warum wir nicht nach dem Ursprung der Aufführung fragen sollten, ist weniger klar: Dann sind wir im Doxa, was ist es? . Der Philosoph Roland Barthes nennt das die mythische Schicht im menschlichen Leben; Dinge, die wir nur denken, fühlen und tun, "weil es so ist". Die - vielleicht lächerliche - Ablehnung des "Banalen", das mit etwas in Kontakt steht, das alles andere als banal ist, ist ein wenig ängstlich.

Alte Meister

Tintoretto, der weiße bärtige Mann

Während des Literaturfestivals in Lillehammer nahm ich an einer Podiumsdiskussion teil. Oder besser gesagt, es war ein Gespräch über die Beziehung zwischen dem Buch und der Kunst, aber es war die Reflexion über alternative Sichtweisen der Kunst, die mir nach dem Verlassen der Bühne im Gedächtnis blieb. Denn ist Literatur und ihre Art, Kunstbetrachtung zu dramatisieren, nicht ein beispielhafter Raum für die Erforschung neuer Zuschauerrollen? Eines der Bücher, an die ich gedacht hatte, war Thomas Bernhards Roman Alte Meister (Gyldendal, 2004), wo wir eine Person namens Reger treffen, die während ihres gesamten Erwachsenenlebens ins Kunsthistorische Museum Wien gegangen ist, um sich Tintorettos anzuschauen Portrait des weißen bärtigen Mannes (1545). Hier kommt es nicht auf das Gemälde als wertvolles Kunstwerk an, sondern…


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