Eva Joly

Eva Joly: "Norwegen steht allein in Europa"


Sie wurde vom französischen Establishment als verrückt, eiskalt und revolutionär bezeichnet und ist eine gebräunte Teilnehmerin an der wichtigsten politischen Arena Europas. MODERN TIMES hat Eva Joly getroffen.

Schriftsteller für MODERN TIMES zu Europa-Themen.
Email: Pfrisvold@gmail.com
Veröffentlicht am: 2017

Das Interview wird gefilmt Jonas Bangsundund wird demnächst in einer von der Redaktion herausgegebenen Kurzausgabe enthalten sein.

Die Franzosen lieben Revolutionen. Sicherlich die auf den Straßen. Aber nicht alle französischen Revolutionen haben in den breiten Boulevards von Paris stattgefunden. Eva Jolys Standpunkt war nicht sehr blutig - aber dramatisch und nicht so wichtig, als sie als Richterin in der Generalstaatsanwaltschaft einen französischen Wirtschafts- und Gemeindegipfel nach dem anderen und nicht zuletzt wegen Korruption und Steuerhinterziehung ins Gefängnis steckte. Sie wurde enthüllt und verurteilt. Der ehemalige Außenminister und Vorsitzende des französischen Verfassungsrates - einer der höchsten Beamten des Landes - Roland Dumas, der seinen Posten wegen Korruption in dem aufwändigen Elf-Fall abgeben musste. Gleiches galt für eine Reihe von Bank- und Geschäftsleuten, die wegen schwerer Korruption verurteilt und hinter Gittern zurückgelassen wurden. Verrückt, narzisstisch, eiskalt, revolutionär - wenige Anklagen gegen die tapfere Norwegerin fehlten im französischen Establishment. "Sie verstanden nicht, dass ich nicht nach Individuen suchte, sondern nach dem System, das Korruption ermöglichte", antwortete sie den Kritikern. Eva Joly hat jetzt ein anderes System mit dem gleichen Ziel eingeführt: das EU-System und wie es den Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung erleichtern kann. MODERN TIMES trifft eine energische und entschlossene Frau von 73 Jahren, die nicht vorhat, den Kampf gegen einige der schlimmsten Kräfte der Gesellschaft aufzugeben.

Es ist nicht einfach, in das berühmte Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg zu gelangen. Umfassende Sicherheitskontrollen sind eine Sache. Das Finden des richtigen Eingangs zwischen hochfliegenden Säulen ist ebenfalls eine Herausforderung. Die Korridore sind eng, die Aufzüge sind langsam und die Büros klein. Menschen strömen herein und heraus, umgeben von Assistenten, Beratern, Journalisten und Lobbyisten. Das Tempo ist hoch. Jeder will Sünde Parlamentarier in Sprache, in Sprachen, die wir vor den Plenarumfragen dieses Monats nicht stellen können - sei es Klima, Korruption oder Roaming. Es fühlt sich an wie in einer politischen Ameisenmauer, weit weg von den dunklen, steinigen und oft leeren Gängen des norwegischen Parlaments.

Korruption Jäger. Wir treffen Eva Joly in ihrem Büro in Das Europäische Parlament, wo sie das achte Jahr als gewählte Vertreterin sitzt. Viele würden sagen, dass sie als Präsidentschaftskandidatin im Jahr 2012 mit knapp 2,5 Prozent der Stimmen gescheitert ist. Aber es gibt wenig Zweifel, dass sie genießt ...


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