Die unsichtbaren Facebook-Moderatoren


Die globalen Social-Media-Plattformen "Cleaner" leben in rauen Gemeinschaften und unter relativ ungeordneten Bedingungen im Vergleich zu denen, nach denen sie aufräumen.

Wieczorek ist ein in Paris lebender Kritiker.
Email: dieter@gmail.com
Veröffentlicht am: 2018
Die Reiniger
Regisør: Hans Block Moritz Riesewieck
(Deutschland)

Auf dem diesjährigen Filmfestival in Rotterdam präsentierten Hans Block und Moritz Riesewieck ihren neuen Dokumentarfilm Die Reiniger. Es beginnt mit einer trockenen und abgenutzten Statistikliste: Weltweit sind drei Milliarden Menschen über soziale Medien verbunden. Alle 500 Stunden Videos werden jede Minute auf YouTube hochgeladen. Im gleichen Zeitraum werden 450 Tweets auf Twitter und 000 Millionen Posts auf Facebook gepostet. Die Facebook-Community hat jetzt schätzungsweise zwei Milliarden Mitglieder - fast ein Viertel der Weltbevölkerung. Sein Einfluss als öffentliche Meinung war größer als der eines Nationalstaates.

Aufforderung zum Entfernen von "unerwünschten Inhalten"

Die Reiniger führt uns von den hochtechnologischen, makellosen Arbeitsplätzen der Ingenieure des Unternehmens und ihrem täglichen Leben zu heruntergekommenen Häusern in Manila, in denen sich die sogenannten Inhaltsmoderatoren oder die "Reinigungshelfer" von Facebook befinden. Fast jeder wird von der Straße rekrutiert, ohne einen Hintergrund in Politik, Soziologie oder Psychologie, ganz zu schweigen von Einsichten in die Kunsttheorie oder verschiedene Ausdrucksformen. Sie werden nur angestellt löschen. Offiziell darf Facebook auf den Philippinen keine Mitarbeiter für die Inhaltskontrolle einstellen. Lokale Outsourcing-Unternehmen machen dies jedoch möglich. Diese Agenturen liefern den Gehaltsscheck von Facebook.

Weltweit sind drei Milliarden Menschen über soziale Medien verbunden.

Den Filmemachern wurde ein intimer Zugang zum Leben dieser Reinigungshelfer gewährt, und sie begleiten sie in ihren Häusern, in der Freizeit, in der Kirche, in Diskotheken und in Spielhallen. Einige laufen Gefahr, sich das Blatt aus dem Mund zu nehmen - was sie auch tun, obwohl alle mit ihrem Arbeitgeber Vertraulichkeitserklärungen unterzeichnet haben. Andere Aussagen kommen von innen in Form von anonymen E-Mails oder Auszügen aus der Online-Kommunikation.

Diese Moderatoren verteidigen die "Grundsätze", zu deren Durchsetzung sie angewiesen wurden. Die Filmemacher bemühen sich sehr, ihre Mentalität einzufangen, ohne sich selbst zu stören. Die Reinigungshelfer scheinen sich dafür verantwortlich zu fühlen, dass die Facebook-Plattform (und damit die ganze Welt) durch ihre Bemühungen gesünder wird, da verdächtige Inhalte nicht online erscheinen. Einige von ihnen behaupten, die Welt sei einfach verrückt und ihre Aufgabe sei es, das Böse zu bekämpfen. Es gibt jedoch Momente, in denen ihre persönlichen Wahrnehmungen dazu führen, dass…

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