Taranto
FOTO: Isabell Zipfel

Die sterbende Stadt


Tarent ist bekannt als die Stadt an den beiden Meeren und für seine weltberühmten Oliven und Muscheln. Die italienische Küstenstadt hat sich aber auch zu einer der am stärksten verschmutzten Städte Europas entwickelt.

Zipfel ist ein freiberuflicher italienischer Journalist und Fotograf mit Sitz in Berlin.
Email: abo12644@nytid.no
Veröffentlicht am: 2018

Taranto liegt am Golf von Tarent im Ionischen Meer und ist die drittgrößte Festlandstadt in Süditalien. Die Stadt ist weltbekannt für ihre Olivenhaine und Muscheln, für die Delfine und Wale, die in der Bucht schwimmen, und für die schroffen Klippen, die die Küstenlandschaft zieren. Aber die Stadt selbst stirbt. Viele Häuser sind einsturzgefährdet und die Fassaden zerfallen. Innerhalb eines Radius von 20 Kilometern werden keine Tiere weiden lassen, es wird kein Gemüse angebaut und die Muscheln dürfen nicht gegessen werden.

Kommunalpolitiker, Journalisten, Gewerkschafter - sogar die Kirche - werden beschuldigt, Bestechungsgelder angenommen zu haben.

ILVA - das größte Stahlwerk in Europa und ein Koloss aus den 60er Jahren - vergiften Wasser, Luft und Boden und machen Taranto zur am stärksten verschmutzten Stadt in Europa. Aber das Stahlwerk ist auch für 70 Prozent der Wirtschaftstätigkeit verantwortlich, und das in einer Stadt mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten in Italien.

Abgabe gefährlicher Chemikalien

Zahlreiche Studien belegen, dass Menschen im Umfeld des Stahlwerks überdurchschnittlich häufig von Krankheiten betroffen sind - vor allem die malignen Tumoren und die Leukämie. In fast allen Familien sind einige krank, und die meisten Familien haben einen nahen Verwandten verloren. Bei ILVA-Mitarbeitern ist dies zehnmal häufiger als im Landesdurchschnitt. In der Hauptsache sind Kinder betroffen. Eine vom Istituto di Sanità durchgeführte Studie ergab, dass Kinder 54 Prozent häufiger an Krebs erkranken und ein um 21 Prozent höheres Sterberisiko in Tarent haben als im übrigen Apulien (der südöstlichen Region Italiens).Taranto

Taranto
FOTO: Isabell Zipfel

ILVA setzt seit Jahrzehnten Dioxine und andere sehr gefährliche Chemikalien in die Luft frei. Neben dem Stahlwerk befindet sich der sogenannte Mineralpark - die Schlackenhaufen - in dem neben Mineralien (Eisenerz, Koks, Kalkstein) auch Giftmüll aus dem Fabrikgelände gelagert wird. Der Mineralienpark ist nicht überdacht, was in Europa einzigartig ist. Das tödliche Gemisch aus Eisenstaub und Giftmüll verteilt sich daher unkontrolliert über die Umgebung. Bei besonders starkem Wind - auf sogenannten…


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