Die Kraft der Mobilisierung


Der politische Widerstand in Afrika wird von Bürgern angeführt, während sich die Armen auf den Straßen versammeln.

Hansen ist Professor für Sozialwissenschaften an der UiS und regelmäßiger Gutachter in MODERN TIMES.
Email: ketil.f.hansen@uis.no
Veröffentlicht am: 2018
Politischer Protest im heutigen Afrika

Lisa Mueller, eine junge Staatswissenschaftlerin mit Promotion an der University of California in Los Angeles (UCLA), die jetzt am ehrwürdigen Macalester College in St. Paul, Minnesota, beschäftigt ist, hat ein neues Nachschlagewerk zu politischen Protesten in Afrika verfasst. Basierend auf Feldforschungen in einer Reihe von Ländern - Niger, Guinea und Malawi, Senegal, Burkina Faso und Mali - beschreibt und analysiert Müller mit großer Glaubwürdigkeit die politischen Widerstandsbewegungen des Kontinents im letzten Jahrzehnt. Im Gegensatz zu dem, was Adam Branch und Zachariah Mampilly in dem Buch tun Afrika-Aufstand. Volksprotest und politischer Wandel (2015) folgt Müller in seinem gesamten Buch einem klaren Gedanken: Es ist die afrikanische Mittelschicht, die die Proteste organisiert, während es die Armen sind, die die Straßen füllen.

Aber gibt es die Mittelklasse?

Damit Muellers Buch Anklang findet, müsste man wie sie glauben, dass die afrikanische Mittelschicht tatsächlich existiert und dass das Konzept der Klasse auch etwas für Afrika bereithält. Dies ist nicht der Fall. Ich selbst habe viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, dass die Mittelschicht in Afrika verschwindend klein ist. In Le Monde diplomatique im März 2016 habe ich mich für diese Ansicht ausgesprochen, und in Samtiden / 2 ging ich später in diesem Jahr noch weiter und behauptete, das Mittelstandskonzept habe einfach nichts mit einem afrikanischen Kontext zu tun: Die sogenannte Mittelschicht in Afrika habe zu schlechte Ratschläge die Bezeichnung verdienen. Diese Gruppe will auch nicht unbedingt Demokratisierung, da dann so viele Arme ihre Rechte einfordern, dass die "Mittelklasse" ihre Privilegien nicht mehr behalten kann.

Ich argumentierte ferner, dass es auf diesem Kontinent kein Klassenbewusstsein gibt, weil Sympathie und Einheit eher innerhalb von ethnischen Gruppen, Religionen und Großfamilien als horizontal zwischen Klassen zu finden sind. Sehr viele Menschen leben von der Arbeit im informellen Sektor. Selbst das Präkariat in Europa hat im Vergleich zu den meisten Afrikanern ein hohes Maß an Einkommenssicherheit.

Nicht überzeugend, aber gut

Lisa Mueller weiß, dass wir viele Afrikaner sind, die keine Klassenanalyse mögen. Sie nutzt daher viel Platz in ihrem Buch, um für die Relevanz des Klassenkonzepts auch im afrikanischen Kontext zu argumentieren. Mueller weist sogar darauf hin, dass "der Hauptbeitrag dieses Buches zur afrikanischen politischen Literatur darin besteht, den Unterricht wieder auf Vordermann zu bringen".

Die politischen Demonstranten in Afrika gehören nicht zu ...

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