Niemand würde denken, dass irgendjemand etwas kaufen könnte


Wests ausrangierte Telefone, PC-Monitore und Kühlschränke werden zu einer Art Lebensgrundlage für die vielen, die auf der weltgrößten Müllkippe für Elektronikprodukte, Sodom, leben

Huser ist regelmäßiger Filmkritiker in MODERN TIMES.
Email: alekshuser@gmail.com
Veröffentlicht: 1. November 2018
Willkommen in Sodom
Direktor: Christian Krönes Florian Weigensamer
(Österreich)

Aus dem anfänglichen 360-Grad-Schwenk des Films geht hervor, dass Willkommen in Sodom spielt in einer Landschaft, die für einen ein Aufnahmeort gewesen sein könnte Mad MaxFilm. Aber das ist keine Fiktion: Der Dokumentarfilm zeigt die weltweit größte Müllhalde für Elektronik, die sich außerhalb der ghanaischen Hauptstadt Accra befindet. Der tatsächliche Name der Füllung ist Agbogbloshie, aber von den Bewohnern wird sie als "Sodom" bezeichnet. Die extrem giftige Gegend - die sich sogar in einem alten Sumpf befindet - ist kein Ort, von dem man glauben würde, dass hier jemand leben könnte. Dennoch leben in Sodom rund 6 Männer, Frauen und Kinder, die sich von den elektronischen Wracks ernähren, die die Sperrmüllkippe füllen. Hieraus gewinnen sie Kupfer, Zink, Eisen und andere Materialien, die an Händler in Sodom verkauft werden können.

Offensichtlich ist Agbogbloshie am Ende der Standort unserer ausrangierten Mobiltelefone, Computer, Kühlschränke und dergleichen. Jedes Jahr werden 250 Tonnen Elektronikschrott hierher geschickt, um gehackt zu werden - und teilweise zu neuen Werten für die armen Bevölkerungsgruppen recycelt. aber Willkommen in Sodom ist kein Film, der den Betrachter mit Zahlen, Fakten und sprechenden Expertengeistern überhäuft. Stattdessen folgt es der dokumentarischen Tradition, einige ausgewählte Vertreter einer Mikro-Community zu vergrößern und dabei globale Themen zu reflektieren. (Übrigens gab es auch schon früher mit Brasilianern gedrehte Filme über andere "Müllkippen" Waste Land ab 2010 wohl das bekannteste.)

Rang Studies

Der markante postapokalyptische Ton wird effektiv von einem Erweckungsprediger vorgegeben, der das menschliche Verderben und die Sünde verkündet. Der Titel des Films, der Parallelen zum biblischen Sodom und Gomorrah zieht, stammt jedoch aus einem der Songs eines jungen Rapper, der Musik in und über Sodom aufzeichnet, und zwar in Sequenzen, die dabei helfen, einen erhebenden Einblick in das herausfordernde Leben von Müll zu gewähren. .

Eine zum Nachdenken anregende Warnung vor einer nicht nachhaltigen Weltordnung.

Die beiden Charaktere, die den tiefsten Eindruck hinterlassen, sind ein junges Mädchen, das sich ihr ganzes Leben lang wie ein Junge gefühlt hat, und ein medizinisch ausgebildeter, schwuler Mann. Sie verkleidet sich als das andere Geschlecht, um Arbeiten auszuführen, die Jungen und Männern vorbehalten sind, und flieht aufgrund ihrer Orientierung vor der Verfolgung. Dabei untersucht der Film auch die Einstellung des Landes (und der Religion) zu Geschlecht und Sexualität und zeigt, wie Sodom als Zufluchtsort für Verfolgte dienen kann.

Es besteht jedoch kaum ein Zweifel daran, dass die große Mehrheit von Sodom ein besseres Leben an einem anderen Ort wünscht, und der Traum von Europa ist in vielen von ihnen besonders stark. Dies wird am effektivsten in einer Sequenz visualisiert, in der zwei jüngere Männer auf einem verschrotteten Mobiltelefon durch die Bilder blättern und den ehemaligen Eigentümer - einen weißen Europäer oder Amerikaner - in all seinem Reichtum und Familienglück zeigen.

Man kann durchaus kritisch darauf hinweisen, dass der Film selbst von zwei weißen Europäern gedreht wurde. Es ist jedoch eine Zumutung, während die österreichischen Filmemacher Christian Krönes und Florian Weigensamer die unverwechselbare afrikanische Gesellschaft mit einer lobenswerten Kombination aus Respekt und aufmerksamer Präsenz darstellen. Im Film lassen sie die Bewohner ihre Geschichten selbst erzählen und vermeiden dabei traditionelle, statische Interviews. Stattdessen hören wir die Geschichten der Dorfbewohner als Voice-Over-Erzählung, während die Kamera ihre täglichen Aufgaben oder den Rest von Sodoms Leben verfolgt.

Nicht zuletzt lässt der Film die kraftvollen und gelegentlich fesselnden Bilder für sich sprechen. Zum Beispiel entstehen fast poetische Sequenzen von einem kleinen Jungen, der Elektronik verbrennt, um Kupfer zu gewinnen, und sich durch den tanzenden, schwarzen und ungesunden Rauch bewegt.

Not und Kapitalismus

Willkommen in Sodom beschreibt eine Form des Recyclings, die auf einer zwingenden Notwendigkeit und nicht auf einem schlechten Gewissen für die Umwelt beruht - wie notwendig diese in unserer Zeit sein mag. Ebenso dient der Film als Denkanstoß für eine Weltordnung und für einen Überkonsum, der alles andere als nachhaltig ist. Das Leben von Sodom kann sogar als ein Bild des Kapitalismus verstanden werden, der den gesamten Globus regiert und der hier von den eifrigen Recyclern des Ortes repräsentiert wird - die sich als unternehmerische Geschäftsleute betrachten. Es geht in erster Linie darum, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber mit einer gewissen Hoffnung, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Mit seinem ausgesprochen filmischen Ausdruck soll Willkommen in Sodom vorzugsweise in einem Kinoraum erlebt, in dem sowohl die Bilder als auch die Klanglandschaft (einschließlich der oben genannten Rap-Songs) in vollen Zügen zur Geltung kommen - ohne dass ich Fernsehkanäle davon abhalten möchte, sie zu zeigen. Der Film wurde Anfang dieses Jahres auf dem dänischen Dokumentarfilmfestival CPH: DOX uraufgeführt und im September auf dem Internationalen Filmfestival in Bergen gezeigt. Hoffentlich gibt es auch andere norwegische Festivalvorführungen dieser Dokumentation, die sich mit wichtigen und bedeutenden Themen befassen, basierend auf dem, was man als eine sehr charakteristische Mikro-Community bezeichnen muss.

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