Der Terrorist im Hotel


Als wir dachten, wir hätten alles gesehen, schwangen die türkischen Behörden in neue Höhen.

Spott ist ein Schriftsteller. Lebt in Köln.
Email: hanes@bajkal.org
Veröffentlicht am: 2018

Kürzlich wurde die jährliche Münchner Sicherheitskonferenz ins Leben gerufen. Es wird seit 1963 organisiert, versammelt eine Schar von Prominenten und wird von vielen als das bedeutendste sicherheitspolitische Thema der Welt angesehen. Der türkische Premierminister Binali Yıldırım nahm mit einer größeren Delegation teil und wohnte zufällig im selben Hotel wie der deutsche Politiker Cem Özdemir von der Grünen Partei, ein sehr gut formulierter Kritiker des Erdogan-Regimes und auch der erste deutsche Vertreter türkischer Abstammung. Özdemirs Position in der deutschen Politik wird dadurch deutlich, dass er nach der Wahl im vergangenen Jahr Kandidat für das Amt des Außenministers in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, FDP und Grünen war.

Sicherheit und Zusammenarbeit. Die bloße Anwesenheit dieses Mannes bei der Konferenz traf die türkische Delegation so heftig, dass sie Özdemir als "Terroristen" bezeichneten und sich unwohl fühlten, im selben Hotel zu wohnen. Özdemir wiederum empfand das Verhalten der türkischen Sicherheitskräfte als so bedrohlich, dass er von den deutschen Behörden Polizeischutz erhielt. Türkische Sicherheitskräfte sind bekanntermaßen tollwütig: Im Mai letzten Jahres haben sie bei einem Treffen zwischen Erdoğan und Trump in Washington eine friedliche kurdische Demonstration angegriffen und sie so schwer zerschlagen, dass zehn Menschen ins Krankenhaus mussten.

Sie brauchen nicht länger die Macht des Wortes, um eine Nation zu führen. Den Feind ausschalten und alles andere als falsche Nachricht abtun.

Polizeischutz ist eine ernste Angelegenheit und nichts, was die Deutschen auf jemanden werfen, der wackelt und behauptet, er sei bedroht. Ein solcher Schutz ist das Ergebnis einer gründlichen Sicherheitsbewertung, und in diesem Fall ging die Initiative von der Polizei aus. Außerdem wurde Özdemir geraten, seine Mahlzeiten nicht außerhalb des Hotelzimmers einzunehmen, sondern abgelehnt.

So fand der Auftritt in München auf einer hochkarätigen internationalen Konferenz zu Sicherheit und Zusammenarbeit in der Welt statt. Der Vorfall hat in den norwegischen Medien wenig Beachtung gefunden - sie hatten wahrscheinlich mehr als genug, um Olympiamedaillen zu sortieren. Aber was wäre passiert, wenn eine ähnliche Veranstaltung auf einer Konferenz in Norwegen stattgefunden hätte? Dass die Sicherheitskräfte einer fremden Nation einem norwegischen Parteiführer mit einer Schandbank im Hinterhof gedroht hatten?


Worte gegen Muskeln.
Drohungen und Dreck sind Teil des politischen Spiels. Das Neue an diesem Fall ist, dass die Delegation eines Landes aggressiv handelt ...

Abonnement NOK 195 Quartal

Lieber Leser. Sie haben jetzt die 3 kostenlosen Artikel des Monats gelesen. Also auch nicht einloggen Wenn Sie ein Abonnement haben oder uns durch ein Abonnement unterstützen Zeichnung für freien Zugang?