Carl Schmitt - ein unangenehmer Theoretiker


POLITISCHE THEORIE: Politisch ist kein Talkclub für den Philosophen Carl Schmitt. Es ist vielmehr die Handlung, die uns zeigt, wer wir sind und wer der Feind ist.

Ideenhistoriker und regelmäßiger Kritiker in MODERN TIMES.
Email: kjetkor@online.no
Veröffentlicht am: 2019
Politik und Gerechtigkeit. Ein antiliberales Thema mit Variationen

Carl Schmitt war ein deutscher Philosoph und Anwalt, der ab den frühen 20er Jahren arbeitete und großen Einfluss auf zeitgenössische Intellektuelle hatte. Er wurde jedoch Nationalsozialist und verteidigte das NS-Regime in den ersten Jahren nach der Machtübernahme im Jahr 1933. 1936 verliebte er sich in die Nationalsozialisten, aber sein Eigensinn blieb immer bei ihm, so dass er lange Zeit ignoriert wurde oder wenn er erwähnt wurde, war es immer mit Vorbehalt.

In den letzten Jahrzehnten hat sein Interesse an seinem Denken dank seiner grundlegenden Kritik und Analyse der liberalen Demokratie jedoch wieder zugenommen, obwohl Schmitt selbst nur Verachtung dafür hatte. Wir haben die Vorstellung, dass der Staat die Politik regiert, aber Schmitt glaubt, dass moderne Staaten eher als eine Art Vermittlungsstelle zwischen verschiedenen Interessen auftreten. Wir sehen dieses Problem im parlamentarischen System. Zunächst sollten Vertreter über Ideen diskutieren und dann die beste Lösung für den Staat finden, unabhängig von Parteien und besonderen Interessen. So funktioniert das nicht: Vertreter kämpfen für die Interessen ihrer Partei, und wenn einer von ihnen davon abweicht, kommt die Parteipeitsche zum Vorschein.

Livssyn

Nach der liberalistischen Theorie kann die Gesellschaft jeden einbeziehen, und jeder hat das gleiche Recht, für seine Interessen zu kämpfen. Dies ist laut Schmitt Ausdruck einer Lebensauffassung - es drückt keinen Willen des Volkes aus, wie wir ihn von der Demokratie erwarten. Demokratie erfordert ein Volk, das eine Reihe von Grundinteressen teilt, und folglich wird dieses Volk gegen diejenigen sein, die sie nicht teilen. Letztere werden die Feinde des Volkes darstellen. Politisches Handeln besteht darin, sein eigenes Dasein zu erhalten, um das Volk zu festigen und die Feinde fernzuhalten. Krieg - oder die Gefahr eines Krieges - wird daher der normale Zustand sein, nicht die Ausnahme.

Schmitt sieht daher keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur. Solange man keine direkte Demokratie praktizieren kann, geht man davon aus, dass der Wille des Volkes zu ...


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