Zwei Nachkriegsmigranten blicken zurück LEBENDES LEBEN: Zwei kurze österreichische Dokumentarfilme aus Diagonale, die Österreichischen Filmfilmfestspiele, bieten vielfältige Einblicke in das Leben und Erleben älterer Nachkriegsmigranten in der Hauptstadt Wien.

Young ist ein regelmäßiger Filmkritiker für Modern Times Review.
Email: neilyounggb@gmail.com
Veröffentlicht am: 2020
Weit weg von der Vergangenheit / Das Buch der Sabeth-Regisseure
Regisør: Nicole Foelsterl Florian Kogler
(Österreich)

Geopolitisch hat Østerrike ist seit einem Großteil des 20. Jahrhunderts ein wichtiger europäischer Knotenpunkt. Die ehemalige kaiserliche Hauptstadt Wien liegt tatsächlich weiter östlich als Prag und Zagreb. Teilweise aufgrund ihrer zentralen Lage und der hervorragenden Verkehrsanbindung - ein glückliches Erbe der Zeit wie Österreich-Ungarn - bleibt die Stadt immer noch ein Zwischenstopp für Migranten und Flüchtlinge auf dem Weg zu neuen Zielen. Einige von ihnen entscheiden sich jedoch dafür, sich niederzulassen - als Protagonisten der beiden herausragenden Kartendokumentationen Weit weg von der Vergangenheit > und Das Buch von Sabeth . Beide wurden auf dem österreichischen nationalen Filmfestival Diagonale gezeigt, das im März in der zweitgrößten Stadt des Landes, Graz, stattfand.

Alles über meine Großmutter?

Nicole Foelsterls Weit weg von der Vergangenheit ist ein willkommenes Feature in einem wachsenden Subgenre, in dem jüngere Filmemacher ältere Verwandte in ihre Arbeit einbeziehen. In den meisten Fällen zögern die Filmemacher, die Blutsbande anzuerkennen. Foelsterl hingegen ist direkt und offen für diese Beziehung und die Rolle, die sie in ihrem eigenen kreativen Prozess spielt, lobenswert. "Du siehst nur die Hälfte von mir, Nicole ... Du kannst nicht das ganze sehen!" Großmutter Marianne Schneider stampft in den ersten Minuten, während Foelsterl mit ihrer Kamera spielt. Die beiden sitzen an Schneiders Küchentisch und filmen dort ein Interview über dessen ungewöhnliches Leben. Schneider und ihre Familie gehörten zur deutschsprachigen schwäbischen Minderheit in Ungarn. Sie war ungefähr 18 Jahre alt, als Gerüchte über den Aufstieg der Roten Armee die Familie zur Flucht trieben, zuerst nach Dresden und dann nach Österreich, wo sie seitdem offenbar ein ruhiges Leben geführt hat.

Das analoge Format erweist sich als effektives und wirtschaftliches Gegenstück dazu
die fehlerhafte Hartnäckigkeit des menschlichen Gedächtnisses.

Die Familie Schneider wurde, wie Marianne sorgfältig betont, als "Deutsche" eingestuft - aber das bedeutete nicht, dass sie Nazis waren, eine Unterscheidung, die den Kommandanten und Soldaten der Roten Armee kaum jemals klar war. "Wenn ich Ihnen alles erzähle, dann haben Sie es im Film", singt die neunzigjährige Großmutter, obwohl es in Foelsterls Film nicht wirklich darum geht, unvoreingenommenes Zeugnis zum Nutzen künftiger Generationen zu sammeln. Der Film ist im Grunde viel mehr ...


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