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Trump, die Bilder und die Politik


Walter Benjamin beschrieb bereits in den 1930er Jahren, wie die Politik in Bildern unterging. Im Zeitalter von Trump unterscheiden sich Fernsehsendungen und Politik nicht mehr.

Bolt ist Professor für politische Ästhetik an der Universität Kopenhagen.
Email: mras@hum.ku.dk
Veröffentlicht am: 2017

Am 20. Januar 2017 tritt Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten bei. Was vor sechs Monaten noch völlig undenkbar schien, ist Realität. Präsident Trump ersetzt Präsident Obama, den ersten schwarzen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger (aber natürlich auch Bargeldantiterroristen und begeisterte Drohnenangreifer, Bankretter und eifrige Deportierte illegaler Einwanderer).

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Trumps Wahlsieg besagt, dass Politik zu Imagepolitik geworden ist: Dass Politik heute mit Bildern zu tun hat, und zwar nicht nur in der Art, wie politische Inhalte verpackt werden sollen, sondern in dem Sinne, dass Politik stattfindet wie Bilder. Dies ist nicht nur ein anschließender Verpackungsprozess, sondern es geht um Politik, die sich als Bilder herausbildet, dass wir uns in einem Bilderraum befinden, wie Walter Benjamin es ausdrückt. Es ist ein Prozess, der schon lange andauert - Benjamin hat ihn bereits in den 1930er Jahren beschrieben, und Guy Debord hat versucht, ihn mit seiner Analyse des Spektakulären auf die Höhe der 1960er Jahre zu bringen. Wenn Benjamin ein Potenzial in der Entwicklung der Reproduktionstechnologie, im Aufkommen der Fotografie und in der Möglichkeit einer visuellen Eigenproduktion sah, in der sich der moderne Mensch selbst sehen konnte, dann konzentrierte sich Debord auf die Behauptung, die die neuen Bildgebungstechnologien ermöglichten. Sie waren sich jedoch einig, dass eine Verschiebung in Bezug auf das Politische als solches stattfindet. Stimmen Sie zu, dass die Politik aufgrund der explosionsartig wachsenden Zahl von Reproduktionstechnologien und ihrer Fähigkeit, Bilder zu produzieren und zu verbreiten, in denen die moderne Gesellschaft nicht nur filmisch dargestellt und dargestellt wird, sondern auch filmisch produziert wird, zu etwas anderem geworden ist. Diese Ereignisse treten als Bildereignisse mit Materialeffekten auf.

Fernsehserie und Politik. Trumps Reality-Präsidentschaft erscheint als natürliche Fortsetzung dessen, was der amerikanische Politiker Michael Rogin "Reagan, the Movie" nennt, also Präsident Reagans visuelle Inszenierung, die seine Vergangenheit als Schauspieler abwechselt. Der entscheidende Unterschied ist, dass Trump kein Schauspieler mehr ist, der später Politiker wird, sondern ein Kontinuum der Selbstdarstellung der Massenmedien und…


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