Werner Herzog
Werner Herzog in Paris 2008. AFP, STEPHANE DE SAKUTIN / NTB Scanpix

Herzog: "Fakten machen nicht die Wahrheit aus"


HERZOG: Der gefeierte deutsche Filmregisseur Werner Herzog spricht über seinen neuesten Film Treffen mit Gorbatschow und warnt davor, die Wahrheit genau auszudrücken.

Sevara Pan ist Schriftstellerin und lebt in Berlin.
Email: sevarapan@googlemail.com
Veröffentlicht am: 2019

Das letzte Festival des DOK Leipzig widmete Werner Herzog (76), dem Filmregisseur, der möglicherweise keiner Vorstellung bedarf, eine besondere Hommage.

Er gilt als einer der einflussreichsten deutschen Filmemacher unserer Zeit und zeichnete sich durch eine reiche Karriere als Regisseur aus. Während der DOK Leipzig präsentierte er nicht nur seinen neuen Film Treffen mit Gorbatschow, teilten aber auch ihre Erkenntnisse mit dem Publikum in einem speziellen Vortrag während des Festivals, genannt "Ecstatic Truth". Die Diskussion über Herzogs neuesten Dokumentarfilm Treffen mit Gorbatschow stand offensichtlich im Mittelpunkt des Gesprächs mit Kristina Jaspers, die die Kuratorin dieser besonderen Ehrung war.

"Russland ist für den Westen ein natürlicherer und langfristigerer Verbündeter als beispielsweise China oder Pakistan, Indien oder Brasilien."

Treffen mit Gorbatschow ist ein Porträt des russischen Politikers und seiner Agenda und Vision. Aber zusätzlich zur Politik würde Herzog "in das Herz dieses Mannes schauen". In der Dokumentation sehen wir eine weitere Seite von Michail Gorbatschow, auf der er sich zum Beispiel an seine verstorbene Frau erinnert, die er bis heute sehr vermisst.

Während des Gesprächs mit Herzog hat dieser nicht verheimlicht, was irgendjemand seine "enttäuschende Hitze" für den ehemaligen Führer der Sowjetunion bezeichnet hat. Der Filmemacher lobte den pensionierten Politiker für seine "Integrität" und "langfristige Vision" und betonte, dass Gorbatschow "Dinge auf seinem Radar sah, die heute genauso gültig sind wie das Abrüstungsabkommen".

Verurteilt die Dämonisierung Russlands

Im Gegensatz zu den antirussischen Gefühlen, die heute in den westlichen Medien zu spüren sind, war in Herzogs Aussagen wenig russische Feindseligkeit zu spüren. Der Regisseur verurteilte offen die "Dämonisierung" Russlands, von der er feststellte, dass sie "völlig fehlerhaft" sei, und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Welt nicht in "eine neue Form des Kalten Krieges" zurückfallen werde. "Russland ist für den Westen ein natürlicherer und langfristigerer Verbündeter als beispielsweise China oder Pakistan, Indien oder Brasilien", sagte er.

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