Nyons Licht reicht bis zu den vergessenen Außenkanten


VISIONEN, DIE SIE WICKELN: Die kraftvollen Kurzfilme Wound und Diary of Cattle beweisen, dass Visions du Reel zum 50-jährigen Jubiläum die Vitalität und Bereitschaft besitzt, die Außenkanten zu erkunden.

Young ist ein regelmäßiger Filmkritiker für Modern Times Review.
Email: neilyounggb@gmail.com
Veröffentlicht am: 2019
Wunde / Tagebuch des Viehs
Regisør: Arthur Sukiasyan David Darmadi Lidia Afrilita
(Armenien / Indonesien)

Visions du Reel (VdR), eines der ältesten und einflussreichsten Dokumentarfilmfestivals in Europa, feierte in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Es war das zweite Mal, dass der VdR unter der Führung der Französin Emilie Bujes zurücktrat, der sechsten künstlerischen Leiterin seit seiner Gründung. Der erste künstlerische Leiter von Visions du Reel war Moritz de Hadeln (geboren in Exeter, England), der das Festival 1969 zusammen mit seiner Frau Erika gründete. Zehn Jahre später übernahm er das Ruder und nach und nach die Verantwortung für andere Filmfestivals - jeweils in Locarno, Berlin (wo er über 20 Jahre Direktor der Berliner war) und Venedig. Unter der Leitung von de Hadel wurde das Nyon International Documentary Festival für die Vorführung von Filmen bekannt, die hinter dem Eisernen Vorhang produziert wurden - zu einer Zeit, als ungefilterte Geschichten aus der Sowjetunion die internationale Gemeinschaft selten erreichten.

Realismus

Das Filmfestival wurde 1995 mit seinem heutigen Namen neu gestartet - mit einem neuntägigen Fest in der kleinen Schweizer Stadt Nyon, direkt am herrlichen Genfersee -, als Filmkritiker und Kritiker Jean Perret die kreativen Zügel übernahmen. Die Namensänderung spiegelte Perrets Engagement und Begeisterung für "cinema du reel" ("realistischer Film") wider, der freier zum Ausdruck kommt als der traditionelle und konservative Sachfilm. Mit dem neuen künstlerischen Leiter an der Spitze wurde das Programm des Festivals zunehmend mit hybriden Werken gefüllt - das heißt Filmen, die oft auf einem unterschiedlichen Methodenmix basieren, wie beispielsweise Nachbildungen von Situationen und verschiedenen narrativen Ansätzen.

In einem Interview im Jahr 2009 erklärte Perret: „Ab Ende der 80er Jahre und über die 90er Jahre hinaus konnte man sich eine Art Müßiggang in der Spielfilmbranche vorstellen, die Schwierigkeiten hatte, komplexe und innovative Geschichten zu entwickeln. Das realistische Filmgenre öffnete sich für Darstellungen von Realität und realen Menschen, die in einen gerichteten Kontext gestellt wurden und eine neue, erfrischende Ästhetik aufwiesen. “

Wundregisseur Arthur Sukiasyan
Wunde
Regisseur Arthur Sukiasyan

Diese Sichtweise ist mittlerweile zur normativen Linie für die erfolgreichen und herausfordernden europäischen Festivals geworden, wie z. B. die CPH in Kopenhagen: DOX, FIDMarseille, Montreals RIDM und das nordamerikanische True / False (in Columbia, Missouri). Die Namensauswahl dieser Festivals zeigt einen Schwerpunkt auf Dokumentationen und…


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