In Berkeley: Rechter Flügel zur Meinungsfreiheit


Die University of Berkeley steht erneut in der Debatte um die Meinungsfreiheit auf dem Spiel. Aber diesmal ist es der rechte Flügel, der führt.

Ständiger Mitarbeiter von MODERN TIMES.
Email: moestrup@gmail.com
Veröffentlicht am: 2017

Ungefähr zehn Leute sitzen in einem Wohnzimmer in San Francisco. Sie essen Pizza und trinken Wasser, ein Bier oder ein Glas Wein. Wenn nicht das Gespräch um theoretisch schwere Texte ginge, würde man meinen, es sei der Beginn einer Party. Was aber los ist, gehört zum Unterricht an der Universität von Berkeley, an der ich mich gerade befinde. Und der Grund, warum wir in einem Haus in San Francisco wohnen und nicht auf dem Berkeley-Campus, hat seine Ursprünge vor ein paar Wochen. Der rechte Flügel hat erneut seine Ankunft in der Stadt und nicht zuletzt an der Universität angekündigt. Dies ist im vergangenen Jahr wiederholt und häufig mit heftigen Reaktionen geschehen. Als der rechte Kommentator Milo Yiannopoulos im Februar den Campus besuchen sollte, kostete ein stetiger Strom von großen Gegendemonstrationen und Sachschäden fast eine Million Dollar. Danach wurde der Besuch kurzfristig abgesagt und Präsident Trump drohte, die öffentliche Unterstützung für Berkeley zu kürzen. Diesmal hat der rechte Flügel während der sogenannten Redefreiheitswoche, in der nicht nur die Redefreiheit gefeiert wird, sondern deren Rahmen getestet wird, volle vier Tage für Reden verkündet, so der Berkeley Patriot, der hinter den angekündigten Protesten steht. Viele Segel sind gesetzt, um diesmal Störungen zu vermeiden. Allein das riesige Polizeiangebot kostet rund sechs Millionen. Aber kann man der Meinungsfreiheit Grenzen setzen?

Ein besonderer Ort. Warum steht so viel auf dem Spiel? Hier gehen wir weiter zurück in die Geschichte, um die Ursachen zu finden. Mitte der 1960er Jahre war Berkeley der Ort, an dem viele der Kämpfe des Jahrzehnts um Rechte, mehr Gleichheit und nicht zuletzt das Recht, sich auszudrücken, in der Bewegung der freien Rede vereint waren. Auf dem zentralen Platz der Sproul Plaza hielt der Aktivist Mario Savio eine Rede, in der er betonte, dass Studenten nicht mehr nur Teile einer großen Maschinerie sein sollten, sondern sich zu Wort melden und politische Aktivitäten auf dem Campus durchführen dürfen. Nach mehreren Tagen des Kampfes gegen die Polizei und einer Vielzahl von Verhaftungen erreichten die Aktivisten mehr oder weniger das, was sie sich vorgenommen hatten. Das freie Wort wurde tatsächlich freigelassen.

Wenn Sie 2017 auf dem Campus spazieren gehen, bemerken Sie schnell, dass dieser Ort immer noch von Meinungsfreiheit umgeben ist. Viele Orte sind ...


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