Macht und Ohnmacht in der norwegischen Psychiatrie


Die Regisseurin Ellen Ugelstad schildert in Making Sense Together die vielen Dualitäten der Psychiatrie und die Ohnmacht von Patienten, Verwandten und Mitarbeitern im norwegischen Psychiatriesystem.

Countries ist Filmautor, Regisseur und Autor für MODERN TIMES.
Email: ellen@landefilm.com
Veröffentlicht am: 2018
Gemeinsam Sinn machen
Regisør: Ellen Ugelstad
(Norwegen)

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„Manchmal, wenn ich im Bett Musik höre, fühle ich mich, als hätte ich mich um meine Beine geschnallt, obwohl ich es nicht getan habe. Als ich das letzte Mal in Gürteln lag, bekam ich drei Spritzen, um mich zu beruhigen. Sie schnallten sich enger und gingen dann aus dem Raum. "

Der Junge, der sich an die Kamera wendet, vermittelt Einsamkeit und Apathie. Der Mundteil - wie er die Worte zusammen mit seinem Blick kaut - offenbart Leiden und Unsicherheit über sich und seine Rezeption.

Die Sätze verharren in feuchter Stille. Wir sind nicht in einer geschlossenen Abteilung, sondern erleben eine Theaterszene. Schauspieler-Debütant Edvin Anstendsrud porträtiert den Patienten beinahe beunruhigend gut für gut: Ist die Ohnmacht zu fest geworden? Für viele hat es genau das.

Die Patienten bilden einen eine gemeinsame, aber hilflose Front gegen ein individualfeindliches System, bei dem die Rentabilität im Mittelpunkt steht.

Dies ist eine der wichtigsten Warnungen in diesem Dokumentarfilm, in dem Aspekte des psychiatrischen Systems diskutiert werden, die sowohl für die Patienten als auch für ihre Angehörigen eine Belastung darstellen.

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Von einem Perspektive der Verwandten

Ugelstads Bruder ist seit vielen Jahren in der Psychiatrie. Der Regisseur nutzt das Filmformat, um seine Begegnung mit diesem System zu vermitteln, aber auch zum Sprechen zu bringen. Gemeinsam Sinn machen ist ihr dritter in der Reihe zum Thema. Bisherige Arbeiten sind Altweibersommer (2011) - ein nahes, dokumentarisches Porträt des Bruders zu seinen eigenen Bedingungen. Im Spielfilm Der Tagungsraum (2017) inszeniert der Regisseur die dysfunktionale Verantwortungsgruppe für den psychiatrischen Patienten rigoros.

In der hybriden Dokumentation Gemeinsam Sinn machen - Hybrid, weil es zwischen Fiktion und Fakten wechselt - sind Bildunterschriften aus der Kurzfilmfassung Der Tagungsraum gemischt mit neuem Material wie Archivaufnahmen, Textplakaten, neuen Inszenierungen und Interviews mit realen und fiktiven Personen. Ja, in Ugelstads neuestem Film ist viel los, und es ist leicht zu verwechseln, wenn man versucht, Fiktion von Fakten und Schauspieler von echten Persönlichkeiten zu trennen.

Beim Sommerfest der Vertriebsfirma Arthaus im Juni finde ich die Regisseurin auf der Tanzfläche und nehme sie zur Seite, um sie zu fragen…


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