Eugene Richards Frau
Dorothea Lynch, © Eugene Richards.

Der Knoten im Herzen


Der Fotograf Eugene Richards dokumentiert seit über 50 Jahren Schicksale in Rissumgebungen, Notaufnahmen und Nervenkliniken. Was hat ihn getrieben?

Verantwortlicher Herausgeber von MODERN TIMES
Email: truls@nytid.no
Veröffentlicht am: 2019

Eugene Richards: Das Nachlaufen der Zeit
Internationales Zentrum für Fotografie,
New York City. Bis zum 20. Januar.

Der preisgekrönte Fotograf Eugene Richards sitzt hier, 74 Jahre alt, vor dem Publikum und spricht über die Fotos in der diesjährigen Retrospektivausstellung in Internationales Zentrum für Fotografie (ICP) in New York (siehe auch Videoaufzeichnung). Er wirkt launisch und warm - sagt aber, dass er Temperament hat.

In den vielen Texten, die über ihn geschrieben wurden, ist zu lesen, dass alles mit der Tatsache begann, dass er einmal nach Vietnam gerufen wurde, aber die Vorladung zurückschickte. Während er auf die Reaktion wartete, machte er einen einjährigen Abschluss in Fotografie bei Minor White am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

© Eugene Richards, Sam und Janine
Sam und Janine, © Eugene Richards.

Dies war die Zeit um die Tötungen von Martin Luther King und Robert Kennedy, aber warum verbrachte dieser Mann 50 Jahre seines Lebens mit Dokumentarfotografie? Hat er vielleicht diesen alten Knoten in seinem Herzen, den er knüpfen möchte - wo die Paradoxien, Unterschiede und Schicksale des Lebens eine existenzielle Neugier und einen Drang zur Dokumentation hervorrufen? Eine Bemühung, zu hinterfragen, was wir als Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch und menschlichen Verfall empfinden? So wird dokumentiert, wie falsch es für eine Gesellschaft gehen kann, und hier in der aktuellen Ausstellung vor allem der Amerikaner. Aber um das Herz zu öffnen, muss man auch den Drang nach Schönheit haben - oder ein entferntes Ideal einer freundlicheren Gemeinschaft für alle.

Es liegt evtl. in der Grauzone, diese zu fotografieren ...

Beim Fotografieren kann es aber auch wie bei Richards darum gehen, persönliche Geschichten zu kommunizieren. Vielleicht als eine Art Therapie. Hier ist er nicht ganz unähnlich dem Namensvetter William Eugene Smith, der für seinen Fotoessay bekannt ist. Sowohl WE Smith als auch Robert Frank sind Fotografen, die er als Lehrer anerkennt, obwohl er seinen eigenen fotografischen Stil entwickelt hat, der sich durch die Nähe zu denen auszeichnet, die er fotografiert hat. Dies sind Personen, die über ihr Schicksal berichten, oftmals mit Richards 'Kamera bis fast ins Gesicht. Er ist bekannt für die Verwendung von Weitwinkel- und Kurzwinkeln.

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