Ein Flüchtling der dritten Generation kehrt nach Hause zurück


Trotz aller widersprüchlichen Gefühle in Bezug auf die Spuren von Nazideutschland fühlt sich die Amerikanerin Deborah Feldman zum ersten Mal zu Hause.

Eckhoff rezensiert regelmäßig MODERN TIMES.
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Veröffentlicht am: 2017
Über gebissen
Autor: Deborah Feldman
Verlag: Secession Publisher, Schweiz

Sie sind ein junges Mädchen - unter den ultraorthodoxen Satirenjuden in Williamsburg, Brooklyn. Jede Erziehung ist patriarchalisch und bezieht sich ausschließlich auf das Verbot; weltliche Bildung ist ausgeschlossen, das Internet ein Greuel, man hat weder Radio noch Fernsehen. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Englisch ist verboten. Wer die Gesetze bricht, wird für immer verurteilt. Sie tragen eine Standardperücke, da im Wind fliegende Frauenhaare eine unanständige sexuelle Einladung sind. Sie haben keine Kenntnis von Körper und Geschlecht. Sie können keinen Mann berühren. Sie gehen eine arrangierte Ehe ein und bringen im Alter von neunzehn Jahren ein Kind zur Welt. Was machst du

Du fliehst mit deinem kleinen Sohn, XNUMX Jahre alt, aus dem Graben der Umwelt, wissend, dass du niemals zurückkehren kannst, obwohl New York immer noch der Ort ist, an dem du lebst. Sie leben von Bohnenkonserven, ohne Kindergeld oder andere öffentliche Unterstützung. Sie schreiben sich heimlich an einem College ein, an dem Sie Literatur studieren und Englisch lernen. Sie erhalten kostenlose Rechtshilfe, um mit dem Recht auf Fürsorge für Ihr Kind aus der Ehe auszusteigen. Schreiben Sie zumindest Ihre Geschichte auf. Es erscheint und steht auf der Bestsellerliste der New York Times. Sie heißen Deborah Feldman.

Wer in so kurzer Zeit einen so dramatischen Sprung ins Unbekannte macht, muss zwangsläufig in Not geraten.

Identitätsmarathon und Seelennot

Dieser fast unwirkliche Lebenslauf hat Feldman in dem Buch näher ausgeführt unorthodox, der sie über Nacht in das Chaos des Ruhmes warf. Mut und Gabe waren zweifellos zwei gute Gründe für den Erfolg, aber ebenso wahrscheinlich ist ein weiterer Faktor: ein "Anne-Frank-Syndrom", bei dem der bloße Inhalt der Geschichte die Form und den Stil des Romans in Mitleidenschaft zu ziehen droht. Beeinflusst vom Erfolg und den Wünschen des Verlags, schrieb Feldman die Fortsetzung Exodus, die nicht die gleichen Verkaufszahlen wie das Debütbuch erreichen. Jetzt jedoch begann der Exil-Feldman ein größeres Lebensprojekt: Wer bin ich? Was ist ein "Ich"?

Wer in so kurzer Zeit einen so dramatischen Sprung ins Unbekannte macht, muss zwangsläufig in Not geraten. Mehrere Bekannte des Autors, die die gleiche Ablösung versucht haben, sind am Ende ums Leben gekommen. Für Deborah Feldman führte der Aufstand zu einer geografischen und mentalen Langstreckenrasse - und zu einem 700-seitigen Roman mit dem seltsamen Titel Über Gebissen.

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