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Europas perfektioniertes Verbrechen

Eldorado
Regissør: Markus Imhoof
(Sveits/Tyskland)

Dokumentaren Eldorado tar for seg Europas kyniske behandling av flyktninger og minner oss om at europeere selv var på flukt for knappe 100 år siden.

Es ist üblich geworden, dasselbe als Teil des "Zustands der Dinge" an den Grenzen Europas zu sehen. Überwachungsflugzeuge und Rettungsverbote sind begrenzt und werden zurückgehalten, um die trostlose Sichtbarkeit der Katastrophe zu gewährleisten. Es ist vorzuziehen, dass Menschen im Verborgenen sterben.

Was kann ein Filmemacher angesichts der Globalisierung humanitärer Katastrophen tun? in Eldorado – in diesem Jahr auf der Berlin vorgestellt – Regisseur Markus Imhoof beleuchtet anhand seiner persönlichen Erinnerungen unsere aktuelle Migrationskrise. Mit leiser Stimme
Das Publikum kann an seinem Briefwechsel mit einer Freundin aus Kindertagen, der Kriegsflüchtlingin Giovanna, teilnehmen.

Giovanna war ein hungerndes italienisches Mädchen während des Zweiten Weltkriegs. Unter so vielen anderen bedürftigen jungen Flüchtlingen wurde sie kurz nach Kriegsausbruch in einem Depot in Imhoofs Heimatstadt unweit von Zürich zurückgelassen. Durch das Transportprogramm des Roten Kreuzes für Kinder adoptierte Imhoofs Familie das kleine Mädchen und half Giovanna und ihrer Familie für kurze Zeit auf neutralem Schweizer Boden. Trotz der Warenknappheit teilte Markus 'Familie während dieser Zeit ihr Essen mit Giovanna. mit Lebensmittelrationierung. . Nach einigen Monaten musste die Flüchtlingsfamilie nach Italien zurückkehren. Eldorado zeigt, wie Imhoofs Erinnerungen an den zarten Briefdialog mit Giovanna wieder zum Leben erweckt werden.

Neoliberale Paradoxien

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Von Rückblenden bis zur Kindheit konzentriert sich Imhoof auf die heutige Flüchtlingskrise und geht Schritt für Schritt durch die skandalösen Paradoxien der heutigen neoliberalen Weltpolitik. Die ersten Bilder zeigen Ertrunkene entlang der italienischen Küste. Imhoof dokumentiert die Rettungsaktionen der italienischen Operation "Mare Nostrum", die bisher rund 100 Menschen das Leben gerettet hat.

Das erste Paradoxon ist leicht zu bemerken: Europäische Länder ohne Küste diktierten die absurden Richtlinien für die Registrierung von Flüchtlingen – die unter anderem das Land für den Flüchtling verantwortlich machen, in dem er oder sie sich zum ersten Mal registriert hat. Dies gilt auch dann, wenn der Flüchtling bereits eine Familie in anderen europäischen Ländern hat. Eine solche Regel führt zwangsläufig zu einer Verschärfung der Einwanderungspolitik der Ankunftsländer, wofür die Situation im heutigen Italien ein klares Beispiel ist. Imhoof dokumentiert auch den Verwaltungsapparat, bei dem die Kapazität aufgrund der großen Zahl der ankommenden Flüchtlinge an den Rand der Krise gedrängt wurde.

Schmerzhafte Erfahrungen aus der Zeit, als er selbst ein kleiner Junge in der Haft war: Er schaut in hoffnungsvolle Augen und sucht Hilfe, aber ohne die Mittel, um zu helfen; Er fängt die geschwächten Körper auf einem überladenen italienischen Rettungsboot, wo kritische Situationen schnell in Meuterei enden können. Flüchtlingshändler wurden wegen der Überfahrtkosten von 1500 US-Dollar betrogen. Imhoof beobachtet, wie Menschen in überfüllte Lager gebracht werden, wo sie in der Regel 8 bis 15 Monate traumatisiert – oft beschämt – und ohne dass jemand über ihre Erfahrungen spricht, während er nur auf Asyl hofft.

Institutionen, die der Direktor anstrebt, wirken sorglos und unbequem, weil er Angst hat, als "zu grausam" oder "zu tolerant" dargestellt zu werden. Sie fürchten Angriffe von Exponenten der rechten und linken Seite.

Zwangssklaverei

Aufgrund des Unbehagens möchte Imhoof lieber die Kamera auf diejenigen richten, die an Hoffnungslosigkeit verdienen. Er dokumentiert das Leben illegaler Ghettos sowie die Sklavenarbeit in der glühenden Hitze Süditaliens – Jobs, die mit lächerlichen 15 Euro pro Tag belohnt werden. Er zeigt Menschen, die für die Behörden buchstäblich unsichtbar sind – und somit völlig ungeschützt leben. Stattdessen werden sie von der Mafia kontrolliert, die keine physische Gewalt anwenden darf. All dies wird vom italienischen Staat, von der Polizei sowie von der Öffentlichkeit toleriert. Jeder ignoriert, was passiert. Und das gilt nicht nur für Italien.

Eldorado gibt einen dringend benötigten einfühlsamen Blick auf einen andauernden Massenmord.

Ein Gewerkschaftsvertreter versucht, auf eigene Faust zu handeln und hilft Imhoof, Zugang zu einem Lager zu erhalten, in dem er Zeuge lebensbedrohlicher Hygienebedingungen wird. Stühle, Dioxine und Mangel an Trinkwasser. Frauen dürfen nicht auf den Feldern arbeiten, sondern auf Prostitution zurückgreifen: Während der Nacht strömen die männlichen Einheimischen, um ihre hoffnungslose Situation auszunutzen.

Eldorado-Regisseur Markus Imhoof

Auf der anderen Seite der Grenze, in der Schweiz, werden Migranten in Bunkern untergebracht, die im Kriegsfall vorübergehend den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten sollen. Die beengten Wohnverhältnisse können leicht Erinnerungen an die dort untergebrachten Personen wecken: Demütigung, Folter, Raub und Vergewaltigung in den libyschen Gefängnissen. Für 250'000 Franken kaufen sich die reichsten Schweizer Regionen frei von der Last, Migranten unterbringen zu müssen. Imhoof erinnert an die großen Migrationen des 1800. Jahrhunderts und die Flüchtlingswellen nach den beiden Weltkriegen. Zu dieser Zeit suchten Hunderttausende Europäer nach Orten, an denen sie leben und überleben konnten.

Abschließend konzentriert sich der Regisseur auf sie real die Gründe für die weltweite Migration: die systematische Ausbeutung von Ländern der Dritten Welt durch die internationalen Gruppen – die für Rohstoffe geplündert und ohne eigene Produktionsmittel belassen werden. Ein Beispiel ist die südeuropäische Tomatenproduktion, bei der Einwanderern angeboten wird, teure Dosen Tomaten zu kaufen, die sie selbst unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen gepflückt haben. Andererseits führen die zollfreien Dumpingpreise der EU für Milchprodukte zu einer vollständigen Niederschlagung der Produktion in Afrika.

Permanenter Ausnahmezustand

Diese anhaltenden und katastrophalen Mechanismen versetzen die Einheimischen in einen permanenten Ausnahmezustand. Es ist nur so weit, wie sie überleben können, ohne angemessene Gesundheitsversorgung oder ein soziales Sicherheitsnetz. Alles in allem scheint die ideologische Klassifizierung der politischen und wirtschaftlichen Flüchtlinge durch die EU sowohl scheinheilig als auch falsch zu sein.

Die ideologische Einteilung der EU in "politische" und "wirtschaftliche" Flüchtlinge ist sowohl scheinheilig als auch falsch.

Europa beteiligt sich an einem fortdauernden, perfektionierten Verbrechen. Die Mitverschwörer sind alle, die von der systematischen Ausbeutung profitieren. Alle täglichen Übergriffe in den libyschen Gefängnissen finden unter anderem ohne Anklage oder Gerichtsverfahren statt. Es gibt nicht einmal einen Richter. Systematische Folter und Mord werden von der EU und ihren Bürgern stillschweigend akzeptiert. Und nicht nur das; im Idealfall wollen wir noch mehr aus dem Elend machen und sind jetzt bereit, Libyen pro Kopf zu bezahlen, um den Asylfluss zu verhindern. Die Flüchtlinge dürfen keine Aufenthaltsanträge stellen. Diejenigen, die rund um das Meer operieren, werden sofort an libysche Clans übergeben.

Im Vergleich dazu scheint das Schweizer Paradoxon fast unschuldig: Hier arbeiten Asylbewerber für drei Franken pro Stunde, und es gibt Pläne, Roboter einzusetzen, die die Krankenschwestern in den Lagern entlasten, anstatt den Menschen den Job anzubieten.

Imhoof verbindet seine persönlichsten und schmerzhaftesten Erfahrungen mit trockenen, analytischen Beobachtungen. Eldorado auf diese Weise erhält man einen dringend benötigten einfühlsamen Blick auf einen andauernden Massenmord. Empathie kann die Kraft zur Veränderung bringen und die emotionalen Mechanismen der Verleugnung aufheben, die heute zur Routine geworden sind.

dieter@gmail.com
Wieczorek ist ein in Paris lebender Kritiker.

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