Hugh Eakin und Robert Silvers in The 50 Year Argument. FOTO: Brigitte Lacombe / Mit freundlicher Genehmigung von HBO

New York Review of Books


Der Dokumentarfilm The 50 Year Argument zelebriert eine der einflussreichsten Institutionen der Literaturkritik, könnte aber von einem kritischen Blick profitiert haben.

Danielsen ist ein regelmäßiger Filmkritiker in MODERN TIMES.
Email: liveod@gmail.com
Veröffentlicht am: 2016

Das 50-jährige Argument
Regie: Martin Scorsese und
David Tedeschi

„Alles Schreiben ist politisch.“ Susan Sontags Worte, wie wir sie in einer Interview-Szene in der Dokumentation hören können In Bezug auf Susan Sontag (2014), könnte die Zeitschrift beschrieben haben, in der sie selbst über mehrere Jahre zu den prominentesten Mitwirkenden gehörte. Die New York Review of Books war von Anfang an mehr als nur eine literarische Zeitschrift - obwohl der Name vielleicht das Gegenteil von dem Uneingeweihten suggeriert hat: Mit einem stets kritischen Blick über das Werk selbst sah die Zeitschrift es als ihre Aufgabe an, eine alternative Position gegenüber der Gesellschaft einzunehmen. Sie haben sich damit auch vom Begriff der Literaturkritik als reine Verbraucherführung verabschiedet.

Hannah Arendt, Saul Balg, Noam Chomsky
Hannah Arendt, Saul Balg, Noam Chomsky

Die Erstellung des Magazins war dann auch politisch motiviert. Alles begann, als die Kritikerin Elizabeth Hardwick 1959 zusammen mit Robert Silvers Mitherausgeberin den Leitartikel "The Decline of Book Reviewing" im Harper's Magazine veröffentlichte. Hardwick äußerte allgemeine Unzufriedenheit mit der zeitgenössischen Literaturkritik, was dazu führte, dass sich Silvers, Hardwick und eine Gruppe von Freunden trafen, um die Zukunft und das Potenzial der Kritik zu diskutieren. Als der fast viermonatige Druckstreik 1963 in New York eintraf, reichten die Bedingungen aus, um es Silvers zusammen mit der Mitherausgeberin Barbara Epstein zu ermöglichen, die New York Review of Books einem Publikum vorzustellen, das hungrig nach Druck war.

Bodenständig und mythisch. Martin Scorsese ist einer der ausgesprochenen Befürworter von The New York Review of Books. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Magazins wurde er von Redakteur Silvers kontaktiert und gebeten, einen Dokumentarfilm über die literarische Institution zu machen. Zusammen mit seinem Partner David Tedeschi hat er einen Film gedreht, der seine - und die der meisten anderen - Begeisterung für das Magazin zeigt. Tedeschi und Scorsese kombinieren Aufnahmen aus dem geschäftigen Büro - die Wände mit Büchern bedeckt, die Schreibtische mit Papierstapeln gefüllt - mit historischen Archivbildern und Lesungen der Aufsätze und machen das Tagebuch zu einer bodenständigen und mythischen Institution. Diese Aspekte verbinden sich in der Diskussion der aktuellen…


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