Depression für die Revolution


Kunst kann die Risse in der Kultur aufbrechen und dabei helfen, den gegenwärtigen Zustand der Depression umzukehren.

Juhl-Nielsen lebt in Kopenhagen.
Email: nielsjohan@gmail.com
Veröffentlicht am: 2018
Eine Zukunft ohne Zukunft

Keine Agenda der Welt scheint wichtiger zu sein als das Klima. Denn trotz der anhaltenden Warnungen der Wissenschaft, trotz der 17 Weltziele der Vereinten Nationen, des Pariser Abkommens und trotz vieler nationaler und lokaler Initiativen zur Umkehrung der Entwicklung steuern wir weiterhin gegen Temperaturerhöhungen, die eine Bedrohung für die Zivilisation darstellen. Wir kennen das Phänomen nur zu gut: Wir handeln nicht nach den verfügbaren Informationen - rechtzeitig. Im Gegensatz zu dem Phänomen des persönlichen Lebens, in dem sich die Folgen für den Einzelnen als schwerwiegend genug erweisen können, sind wir beim globalen Klimawandel auf eine Weltgemeinschaft angewiesen, die mit all ihren Auswirkungen auf Entscheidungsplattformen Charakter annimmt und radikale Entscheidungen im Namen von trifft künftiger Generationen, ja, im Namen der Zivilisation. Es ist noch unklar, ob dies rechtzeitig geschehen wird.

Verlasse das Auto!

Ein altes Sprichwort besagt, dass wir lügen, als wir gerettet wurden. Mit der wirtschaftlichen Globalisierung haben sich die Wirtschaft seit 1968 und der Neoliberalismus und sein Höhepunkt in der Finanzkrise von 2007 in eine Richtung bewegt, in die sich die Probleme der Weltwirtschaft täglich stellen. System-Krise ist heute die richtige Diagnose für den Zustand der Welt. Der tschechische Wirtschaftswissenschaftler Tomas Sedlacek, Wirtschaftsberater des ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel und des tschechischen Finanzministers, drückt sein Verhältnis zur Wirtschaft folgendermaßen aus: "Wenn die Wirtschaft ein Auto war, sollte man überhaupt nicht in das Auto steigen."

Kreativität ist nicht länger eine Quelle des Protests, sondern des Profits.

Die Weltwirtschaft dominiert politische Entscheidungen in einer politischen Landschaft, die sich nicht auf notwendige langfristige Entscheidungen konzentriert, sondern auf kurzfristige, marktorientierte und national-egoistische Interessen. In dem Buch Eine Zukunft ohne Zukunft Mikkel Krause Frantzen hat sich auf «Depression als politisches Problem und die alternativen Erzählungen der Kunst» konzentriert und liefert eine «kulturkritische soziale Diagnose», wie der Autor es selbst nennt.

Gesellschaft mit Zunge

Die Schuldenkrise, das ständige Streben nach individuellem Glück und Selbstoptimierung sowie ein wettbewerbsorientierter Arbeitsmarkt haben zu einer weit verbreiteten Depression beigetragen, die nun auch ein politisches Problem darstellt. Hier muss der Staat selbst auf dem Marktgelände funktionieren - als Wettbewerbsstaat.

Anders war das Bild bei der Umsetzung der Industrialisierung. Mit einem wachsenden…

Abonnement NOK 195 / Quartal

Lieber Leser. Sie haben jetzt die 3 kostenlosen Artikel des Monats gelesen. Also auch nicht einloggen Wenn Sie ein Abonnement haben oder uns durch ein Abonnement unterstützen Zeichnung für freien Zugang?