Chinas digitale Brille


Die chinesischen Sicherheitsbehörden statten die Polizei bereits mit einer "digitalen Brille" aus und sitzen bereits in einer Datenbank, in der die Gesichter von 1,3 Milliarden Erwachsenen im Land digital gespeichert sind.

Kohler ist ein regelmäßiger Rezensent für MODERN TIMES.
Email: hansgkkohler@web.de
Veröffentlicht am: 2018

Laut der Berliner Zeitung haben chinesische Sicherheitsbehörden damit begonnen, die Polizei mit einer "digitalen Brille" auszustatten. Mit diesem Tool kann die Polizei über ihr Gesicht schnell auf Informationen über Personen im öffentlichen Raum zugreifen. Es ist ein Werkzeug zur sogenannten "Gesichtserkennung", bei der Personen mit hundertprozentiger Sicherheit identifiziert werden. Der chinesische Staat verfügt bereits über eine Datenbank, in der die Gesichter von 1,3 Milliarden Erwachsenen im Land digital gespeichert sind. Die biometrische Identifizierung ist in China gesetzlich vorgeschrieben. Die Regierung sammelt von jedem Bürger Millionen von Datenpunkten. Das Ministerium für öffentliche Sicherheit verfügt über 170 Millionen Kameras im ganzen Land und 400 Millionen Überwachungskameras im öffentlichen Raum. Früher war es unmöglich, diesen riesigen Bildstrom zu kontrollieren, aber heute ist dies mit Hilfe der künstlichen Intelligenz durchaus möglich.

Die Firma Megvii liefert die notwendige Software zur Auswertung der digitalen Bilder. Das Programm "Face ++" dürfte bald der weltweite Marktführer bei der Nutzung der Gesichtserkennung und der Verarbeitung der bereitgestellten Informationen sein. Megvii verwendet neuronale Netze, die an die Strukturen des menschlichen Gehirns erinnern können, um Gesichter in großen Menschenmengen schnell und präzise herauszufiltern. Ein mit einem Smartphone aufgenommenes Bild mit geringer Qualität reicht aus, damit die Anwendung ein Gesicht identifizieren kann.

Megviis Roboter. Der Internetgigant Alibaba und das Hardware-Unternehmen Foxconn (das das iPhone produziert) investierten stark in das 2011 gegründete Unternehmen Megvii. Megvii hat für das Unternehmen Alibaba auch ein Gesichtserkennungsprogramm für Shopping-Apps entwickelt. Darüber hinaus haben sie einen Roboter hergestellt, der die Anwesenheit von Menschen in Produktionsprozessen überflüssig macht.

Megviis Hauptkunde ist jedoch das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit. Das Überwachungsprodukt von Megvey sorgt dafür, dass die Polizei immer mehr Straftäter im öffentlichen Raum ausfindig macht. Und China geht noch weiter: Am Bahnhof Zhengzhou haben sie eine mobile Roboterpolizei getestet. Die Roboter rollen im Warteraum vor und zurück und identifizieren Gesichter und "aggressives" Verhalten. Polizei aus Fleisch und Blut wird nur benötigt, wenn jemand verhaftet werden soll.

Die Gesichtserkennung in China wird speziell zur Überwachung bestimmter Bevölkerungsgruppen eingesetzt: In muslimisch geprägten Regionen der Provinz Xinjiang…

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