Aadhaar: Indiens neues Kastensystem


Die umfangreiche Volkszählung in Indien bildet die Bevölkerung ab - zementiert aber auch die Kastengesellschaft, die das Land loszuwerden versucht hat. Amnesty international warnt und der indische Menschenrechtsanwalt Shyam Divan wurde vor Gericht gestellt.

Kohler ist ein regelmäßiger Rezensent für MODERN TIMES.
Email: hansgkkohler@web.de
Veröffentlicht am: 2018

Im Jahr 2009 begann die biometrische High-Tech-Volkszählung von Indien. Bisher haben 1,2 Milliarden Inder eine Identifikationsnummer erhalten und sind damit im Aadhaar-System registriert. Dies bedeutet, dass 99 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Indiens registriert wurden. Die Identifikationsnummer ist mit dem Wohnort, dem Gesichtsfoto, zehn Fingerabdrücken und zwei mit Iris gescannten Bildern verknüpft. Das Projekt wurde 2014 von Premierminister Narendra Modi für alle Inder - einschließlich Dalits und anderer klassenloser - zur Pflicht gemacht.

Für diejenigen, die nicht in der Datenbank registriert sind, ist es fast unmöglich geworden, ein Bankkonto zu eröffnen, eine Kreditkarte oder eine Telefonnummer zu erhalten. Der bekannte Menschenrechtsanwalt Shyam Divan hat gegen das Aadhaar-Projekt geklagt. Der Fall ist vor dem Obersten Gerichtshof noch nicht endgültig geklärt, aber die Banken und Telefongesellschaften haben die Frist auf den 1. April festgesetzt: Wenn Sie bis dahin nicht in der Datenbank registriert sind, werden das Konto und das Telefon gesperrt. "Alle staatlichen Hemmnisse im Hinblick auf den technischen Einsatz der Überwachung sind verschwunden", warnt Amnesty International in einer Erklärung. Wann setzen wir den digitalen Fuß ab?

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